Wahlprogramme für Ungeduldige

Endlich Sommer! Wer hat da schon Lust, sich durch einen riesigen Wust von Partei-Wahlprogrammen zu kämpfen. Darum bietet die tageszeitung Abhilfe: Dank des Internetdienstes wordle.net haben wir Parteiprogramme nach den Wörtern durchsucht, die am häufigsten vorkommen und daraus sogenannte „word clouds“ erstellt. Mit recht interessanten Ergebnissen …

„Deutschland“ ist – wenig überraschend – das dominierende Wort im CDU/CSU-Programm. Ergänzt von „Land“ und den „Deutschen“. Außerdem menschelt es natürlich gewaltig.“Setzen“ kommt häufig vor, allerdings kaum „Ziele“. „Stärken“,“mehr“ und „Sicherheit“ werden bei der Union großgeschrieben, „Klimaschutz“ und interessanterweise auch der „Staat“ und „Marktwirtschaft“ recht klein…

Anders als die CDU/CSU hält sich die SPD mit der Nennung des eigenen Namens zurück. Mangelt es etwa an Selbstbewusstsein? Ansonsten heisst es „müssen“ statt „sollen“ und „mehr“ statt „besser“. Das „Soziale“, „Arbeit“, „Bildung“ und „Zukunft“ dominieren das Programm. Klassisch Sozialdemokratisches wie „Teilhabe“ und „Solidarität“ treten dafür in den Hintergrund.

Das Programm der FDP setzt klare Akzente: Erst wir, dann der Rest.“Freiheit“, na klar, „mehr“, „Entwicklung“ – und auch noch jede Menge „Deutschland“. Auffällig: „Marktwirtschaft“ wird ebenso kleingeschrieben wie die „Zukunft“. Spannend, ob das für 18 Prozent plus X reicht…

Bei den Grünen dreht es sich ganz ausführlich um das „Bundestagswahlprogramm“ selbst – und um die „KRISE“.“Freiheit“? „Bürger“? „Frauen“? „Klima“? Diesen Käse lesen die Grünen-Wähler doch schon seit Jahren. Lieber bei den anderen abschreiben und ordentlich oft „Menschen“, „müssen“ und „mehr“ einfügen. Und ganz oft „grün“: Wegen der Unterscheidbarkeit.

Verben sind die Sache der Linkspartei: In ihrem Programm geht es um „einführen“, „stärken“ und „sichern“ was das Zeug hält. „Unternehmen“ spielen eine größere Rolle als bei der Union – die Paradethemen „Hartz“, „Armut“ und „Ost“ geraten ins Hintertreffen. Und für alle Freunde des erigierten Binnen-Is: Die „Bürgerinnen“ finden eben soviel Erwähnung wie der „Bürger“.

Anders das Wiki-Programm der Piratenpartei: Der „Bürger“ dominiert das Programm, ebenso wie „Daten“, Bildung“, „Privatsphäre und das „Internet“. Und auch sonst hat die „word cloud“ der Piraten relativ wenig mit der der anderen Parteien zu tun – so tauchen hier erstmals Begriffe wie „Menschenrechte“, „Nebentätigkeiten“"und „Software“ auf. Frischer Wind für den Bundestag?