Archiv für Juli 2009

Berlin Beach Break

Wer Berlin als großen grauen Großstadtmoloch begreift, der war entweder noch nie da, oder aber er treibt sich immer an den falschen Orten rum. Das Strandbad Grünau jedenfalls ist einer dieser Orte, die jeden Berlin-Skeptiker überzeugen dürften, dass die Stadt auch ihre wunderschönen Seiten hat. Die Partyreihe „Stadt. Strand. Fluss“ hat es sich diesen Sommer zur Aufgabe gemacht, besondere Orte, die man mit diesen drei Schlagwörter assoziieren kann, mit besonderen Partys zu befeiern.


gesehen als ground grafitti in Berlin Mitte

Am kommenden Sonntag, 02.08.2009, steigt nun der Berlin Beach Break im Strandbad Grünau. Da gibt es nicht nur den unschlagbaren Charme des altehrwürdigen Bades und der traumhaften Flusslandschaft drumrum, sondern auch elektronische Musik von Rang und Namen. So kann man sich den kompletten Sonntag von 10 bis 22 Uhr von Ricardo Villalobos, Zip, DBX Live, Fumiya Tanaka, Bruno Pronsato & Thomas Melchior beschallen lassen. Tolles Marketing, tolle Musik!

Reklame: Sixt

Berlin Underground

Diese Führung veranschaulicht die Spuren des Kalten Krieges im Untergrund. Anhand mehrerer Themenräume wird in der Zivilschutzanlage unter dem Blochplatz zunächst erklärt , auf welch verschlungenen Wegen die „unterirdischen Grenze“ während der Teilung Berlins verlief.

So erfährt man als Besucher dieser Tour zunächst einiges über die eigentümliche und bizarre Welt der „Geisterbahnhöfe“, wo West-U-Bahnen den Ostteil der Stadt ohne Stopp unterquerten.

Auch das Thema „Senatsreserven“ oder die Sicherung der Kanalisation gegen Fluchtversuche in den Westen werden auf diesem Rundgang behandelt. Ebenso wird die Belegung eines Schutzraumes im Kalten Krieg am aktiven Beispiel eingehend erläutert.

Nach einem U-Bahn-Transfer zum benachbarten U-Bahnhof Pankstraße erhält man hier einen Einblick in die Funktionsweise einer „modernen“ Schutzanlage. Diese 1977 bei der Verlängerung der U-Bahnlinie 8 errichtete sogenannte Mehrzweckanlage hätte im „Ernstfall“ rund 3.400 Menschen Schutz für mehrere Wochen bieten sollen.

Sie ist damit die viertgrößte Zivilschutzanlage Berlins, die immer noch voll ausgestattet und funktionsfähig ist und sogar über ein unterirdisches Wasserwerk verfügt, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen.

Ach ja, und fotografieren war verboten …

Slide: Street Marketing

Reklame: Office 2010

Microsoft macht aus der Einführung seines neues Office-Programms einen Actionfilm beziehungsweise einen 135 Sekunden langen Spielfilm-Trailer. Und mit dem von der Agentur Traffik entwickelten Imagespot gelingt dem Unternehmen das, was es zuletzt vergeblich versucht hat: es wird endlich wieder so cool – ein Attribut, das zuletzt Konkurrent Apple alleine für sich gepachtet hatte.

Die schwarzen Lederklamotten, die Spione und Kämpfer für das Wahre, Stunts, Action und natürlich ein Bösewicht: Gemeinsam mit Regisseur Dennis Liu setzt Microsoft auf die Hollywood-Strategie und unterhält den Zuschauer damit genauso viel, wie ein gutgemachter Actionfilm es vermag. Endlich mal wieder ein viraler Spot, den man gerne ein zweites oder drittes Mal ansieht – um ihn dann im Anschluss weiterzuschicken.

Slide: 50 Guerilla Ads

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Politik Digital: Viraler Abklatsch

Im Auftrag der Online-Plattform Politik Digital und der Fernsehproduktion Probono rufen deutsche Prominente – darunter Jan Hofer und Sarah Kuttner – mit Blick auf die Bundestagswahl zum Wahlboykott auf. „Nicht wählen“, so die simple Botschaft. Vorbild des Online-Films ist die „Don´t vote“-Kampagne zur US-Präsidentschaftswahl.

Doch die überraschte den Betrachter mit einer pointierten Auflösung und outete sich damit klar als Pro-Wahl-Spot. Nicht so der virale Abklatsch aus deutscher Produktion. Folge: Mancher Wahlverweigerer dürfte sich durch den Spot sogar bestätigt sehen. Peinlich. Auflösen wollen Politik Digital und Probono ihre Kampagne erst am kommenden Dienstag.

Der Spot von Politik Digital:

Und hier das Original:

Wahlprogramme für Ungeduldige

Endlich Sommer! Wer hat da schon Lust, sich durch einen riesigen Wust von Partei-Wahlprogrammen zu kämpfen. Darum bietet die tageszeitung Abhilfe: Dank des Internetdienstes wordle.net haben wir Parteiprogramme nach den Wörtern durchsucht, die am häufigsten vorkommen und daraus sogenannte „word clouds“ erstellt. Mit recht interessanten Ergebnissen …

„Deutschland“ ist – wenig überraschend – das dominierende Wort im CDU/CSU-Programm. Ergänzt von „Land“ und den „Deutschen“. Außerdem menschelt es natürlich gewaltig.“Setzen“ kommt häufig vor, allerdings kaum „Ziele“. „Stärken“,“mehr“ und „Sicherheit“ werden bei der Union großgeschrieben, „Klimaschutz“ und interessanterweise auch der „Staat“ und „Marktwirtschaft“ recht klein…

Anders als die CDU/CSU hält sich die SPD mit der Nennung des eigenen Namens zurück. Mangelt es etwa an Selbstbewusstsein? Ansonsten heisst es „müssen“ statt „sollen“ und „mehr“ statt „besser“. Das „Soziale“, „Arbeit“, „Bildung“ und „Zukunft“ dominieren das Programm. Klassisch Sozialdemokratisches wie „Teilhabe“ und „Solidarität“ treten dafür in den Hintergrund.

Das Programm der FDP setzt klare Akzente: Erst wir, dann der Rest.“Freiheit“, na klar, „mehr“, „Entwicklung“ – und auch noch jede Menge „Deutschland“. Auffällig: „Marktwirtschaft“ wird ebenso kleingeschrieben wie die „Zukunft“. Spannend, ob das für 18 Prozent plus X reicht…

Bei den Grünen dreht es sich ganz ausführlich um das „Bundestagswahlprogramm“ selbst – und um die „KRISE“.“Freiheit“? „Bürger“? „Frauen“? „Klima“? Diesen Käse lesen die Grünen-Wähler doch schon seit Jahren. Lieber bei den anderen abschreiben und ordentlich oft „Menschen“, „müssen“ und „mehr“ einfügen. Und ganz oft „grün“: Wegen der Unterscheidbarkeit.

Verben sind die Sache der Linkspartei: In ihrem Programm geht es um „einführen“, „stärken“ und „sichern“ was das Zeug hält. „Unternehmen“ spielen eine größere Rolle als bei der Union – die Paradethemen „Hartz“, „Armut“ und „Ost“ geraten ins Hintertreffen. Und für alle Freunde des erigierten Binnen-Is: Die „Bürgerinnen“ finden eben soviel Erwähnung wie der „Bürger“.

Anders das Wiki-Programm der Piratenpartei: Der „Bürger“ dominiert das Programm, ebenso wie „Daten“, Bildung“, „Privatsphäre und das „Internet“. Und auch sonst hat die „word cloud“ der Piraten relativ wenig mit der der anderen Parteien zu tun – so tauchen hier erstmals Begriffe wie „Menschenrechte“, „Nebentätigkeiten“"und „Software“ auf. Frischer Wind für den Bundestag?

Play # 6